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Krach um Internet-Domains – die langen Schatten der neuen gTLDs


Chancen und Risiken neuer Top Level Domains

Die neuen generischen Top Level Domains (gTLD) werfen ihre langen Schatten voraus – Unternehmen sind skeptisch: Neuen Marketing-Möglichkeiten stehen weitere rechtliche Streitereien entgegen. Am Ball zu bleiben und die Entwicklung zu beobachten, lohnt sich.

Schon heute gibt es generische Top Level Domains (gTLD). Sie werden nach gesponserten (sTLD) und nicht gesponserten (uTLD) unterteilt. Die Vergabe der gesponserten Domains wird dabei von einer Reihe Organisationen exklusiv und nach eigenen Regeln kontrolliert und finanziert. Ein Beispiel ist .mil. Diese Domain wird ausschließlich vom US-amerikanischen Militär genutzt.

Doch in den Browserzeilen wird es schon bald bunter zugehen: Im Juni 2008 beschloss die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers ICANN, neue generische Top Level Domains zuzulassen. Damit hat seit 2009 jeder Internetnutzer die Möglichkeit, eine beliebige eigene Domain zu beantragen. Die Internetangebote der Hauptstadt beispielsweise wird es demnächst unter der Top Level Domain .berlin geben. Aber auch Markeninhaber können sich bald ihren Brandnamen als Suffix sichern. Und auch in punkto Sicherheit könnte der Surfer davon profitieren: Sind alle Banken – und zwar ausschließlich diese – unter der einheitlichen Domain .bank zu finden, wird Phishern das Leben zumindest erschwert.

Vorteile für Unternehmen

Die Vorteile für ein Unternehmen wie Nike, sich attraktive Domains wie tigerwoods.nike zu sichern, liegen auf der Hand. Derartige “Effekte” waren bislang nur durch “Spielereien” mit exotischen Länderdomains möglich. Bekannt ist das Beispiel des kleinen Königreichs Tuvalu, das seine eigene Länderdomain .tv gewinnbringend zu nutzen weiß. So haben beispielsweise NBC (www.nbc4.tv), RTL (www.rtl.tv) und SAT1 (www.sat1.tv) ihren Online-Auftritt mit dieser Endung versehen. Der Verkauf bringt dem kleinen Inselreich Einnahmen in Millionenhöhe. Dieselbe Idee hatten auch die Föderierten Staaten von Mikronesien. Deren Domainname .fm bietet vor allem Radioanbietern interessante Möglichkeiten für die Darstellung im Web. Diese Marketingchance haben vor allem Privatradiosender wie Radio Gong (www.gong.fm) genutzt.

Viel umfangreichere Möglichkeiten bieten die neuen generischen Top Level Domains: Vom Markennamen über das Hobby bis hin zur Gemeinde darf und kann alles hinter dem Punkt stehen. Unternehmen jeder Größe sind deshalb gut beraten, ihre Markenrechte umfangreich zu sichern und die unzähligen neuen Domains gut im Auge zu behalten. Große Unternehmen haben aus gutem Grund Vorgaben, die detailliert die Registrierung von Markennamen in unterschiedlichen Schreibweisen festlegen. Diese Regelwerke sollten schleunigst angepasst werden, um nicht überraschend in aufwändige und vor allem teure Rechtsstreitigkeiten über Namensrechte verwickelt zu werden. Sofern es noch keine entsprechenden Regelungen gibt, sollten Firmen also schnell tätig werden und entsprechende Schritte einleiten. Eine genaue Beobachtung des Webumfelds – durch eigene Mitarbeiter oder externe Spezialisten – ist unumgänglich.

Wer eine Domainendung für sich registriert, wird dadurch automatisch zum Domainverwalter, ähnlich wie die Denic, die über die .de-Adressen die Hoheit hält. Die Hürden, die die ICANN vor einen solchen Schritt gestellt hat, sind folglich äußerst hoch. Schon angesichts der finanziellen Anforderungen dürften so manche Träume platzen, den eigenen Namen im Web präsenter zu machen. Dabei reichen zunächst läppische 100 Dollar, nach deren Bezahlung man sich im Online-Bewerbungssystem der Organisation registrieren kann. Dann allerdings muss der Geldbeutel weit geöffnet werden: Satte 185.000 Dollar sind fällig, um den Evaluierungsprozess der ICANN in Gang zu setzen. Hinzu kommen weitere Gebühren für die Registrierung, etwaige Streitigkeiten und eine Reihe weiterer Positionen. Diese Zahlen stehen bislang nur in ersten Entwürfen zu den gTLD. Sie geben jedoch einen Ausblick auf die zu erwartenden Konsequenzen: Großunternehmen werden sich diesen Luxus aus Marketinggründen leisten, kleinere schlüpfen gemeinsam mit anderen unter das Dach einer gemeinsamen Top Level Domain.

Das Unternehmen dotBERLIN etwa wird sich als Zusammenschluss mehrerer Unternehmen um die .berlin-Top-Level-Domain bewerben. Jeder Interessierte kann sich dann mit seiner Webseite und der Endung .berlin dort registrieren. Denkbar sind beispielsweise Seiten wie zoo.berlin oder rathaus.berlin. Die Kosten dafür werden zwischen 20 und 80 Euro pro Jahr liegen. Bei Streitigkeiten um Namensrechte drohen ähnliche Auseinandersetzungen wie sie schon im “herkömmlichen” System der Domain-Ordnung an der Tagesordnung waren.

Wer mit einer starken Marke im Internet unterwegs ist, ist deshalb gut beraten, sich frühzeitig um das Thema Top Level Domain zu kümmern. Unternehmen können sich so schon im Vorfeld vor einem möglichen Missbrauch und einem damit oftmals verbundenen kosten- und zeitaufwändigen Rechtsstreit schützen. Vor allem aber bieten eigene Markensuffixe ein sehr großes Potential an umfassenden Marketingkampagnen und SEO-Strategien. (Autor: Bernd Beiser, Domain-Experte und Geschäftsführer der NetNames GmbH)

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